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Sprachkultur und gute Argumente
Kategorie: PresseVon: Michael Merkle Gea
Jugend debattiert - "Sprachgebrauch in Schulen" und "Waffenbesitz im Privathaushalt": Regionalfinale im Firstwald Ann-Kathrin Schewe ist im Finale - ein Bericht aus dem Reutlinger Generalanzeiger
MÖSSINGEN. Das klingt doch reichlich nüchtern: "Jugend debattiert ist ein Projekt zur sprachlich-politischen Bildung an weiterführenden Schulen in Deutschland." Die Realität des Wettbewerbs ist da viel spannender, kommt gar nicht so angestaubt und theoretisch rüber. Eine Sprach- und Diskussionskultur wird zum Leben erweckt, rhetorische Fähigkeiten gefördert. Das war auch beim Regionalfinale im Festsaal des Mössinger Firstwald-Gymnasiums zu erleben.
In zwei Runden traten jeweils vier Debattanten gegeneinander an. Die von zwei Jurys ermittelten Sieger dürfen nun zur vorgeschalteten Landesqualifikation nach Stuttgart und haben damit die Chance, ins Landesfinale zu kommen.
Marena Sunten, Koordinatorin des Jugend-debattiert-Regionalverbunds, durfte das fest geregelte Prozedere den Gästen erläutern: Jede Debatte läuft 24 Minuten lang, besteht aus einer Einleitung, wo jeder Teilnehmer zwei Minuten lang seine Position darlegt, es folgt über zwölf Minuten im Kernteil eine freie Aussprache sowie eine Schlussrunde, in der jeder eine Minute für sein Resümee hat.
Wiederholungen helfen nicht
Die Zeit will geschickt genutzt sein. Besonders im freien Austausch ist die Kraft der Argumente gefragt. Jeder muss zudem inhaltlich beweglich bleiben, auf die anderen eingehen. Das Thema will vielseitig beleuchtet sein, neue Ebenen und Aspekte gilt es einzuführen. Allein feste Bausteine der Argumentation und Wiederholungen helfen da nicht weiter.
Die Runde mit den jüngeren Teilnehmern aus der Klassenstufe neun, bestehend aus Leonie Ott (Hechingen), Melanie Fecker (Hechingen), Matthis Lehmkühler (Reutlingen) und Christian Schäfer (Dußlingen) sprach dann über die aktuelle und anspruchsvolle Frage: "Soll an Schulen in Deutschland außerhalb des Sprachunterrichts nur Deutsch gesprochen werden?" Das Pro und Kontra wurde jeweils von einer Zweiergruppierung übernommen. In der Runde setzten sich Leonie Ott (Siegerin) und Melanie Fecker gegen die Konkurrenten durch.
Die Jury, in der jeweils Lehrer, Studenten und Schüler saßen, wird der Diskussion am Ende in ihrer Bewertung eine "mittlere Qualität" bescheinigen. Vermisst wurden naheliegende Argumente sowie der Einbezug der eigenen Person. Öfter ging es argumentativ auf Nebenstränge hinaus. Aber alle waren sichtlich gut vorbereitet. Die Siegerin Leonie Ott hob sich hier wohl ein Stück weit von den anderen ab, verfügte laut Jury über eine gute freie Aussprache, hat sich gut ausgedrückt. Melanie Fecker bekam Lob für eine sehr gute Eröffnungsrede.
Hohes sprachliches Niveau
In der Runde mit den älteren Teilnehmern, Schüler zwischen Klasse 10 und Klasse 13, traten Ann-Kathrin Schewe (Firstwald-Gymnasium, Mössingen), Lisa Patzelt (Quenstedt-Gymnasium, Mössingen), Amos Hornstein (Friedrich-List-Gymnasium, Reutlingen) und Judith Jaenicke (Firstwald-Gymnasium, Mössingen) gegeneinander ein. Ihr Thema war zugleich heikel, brandaktuell und spannend: "Sollen Schusswaffen in Privathaushalten verboten werden?"
Über den Sieg konnte sich Ann-Kathrin Schewe freuen, auch Amos Hornstein überzeugte. Die Jury lobte die lebendige Debatte, die sich durch ein hohes sprachliches Niveau ausgezeichnet habe. Alle lagen eng beieinander. Ann-Kathrin Schewe hatte herausgearbeitet, was das Thema für die Gesellschaft bedeutet, Amos Hornstein führte viele aktuelle Bezüge, darunter der jüngste Entscheid in der Schweiz, geschickt an.
Und was bringt das ganze Können und Lernen? Rhetorische Fähigkeiten sind nicht nur in der Arbeitswelt und in der Politik gefragt. Beate Müller-Gemmeke, Bundestagsabgeordnete der Grünen aus Reutlingen und fürs Regionalfinale zugeordnet, fühlte sich ein: "Ein bisschen Aufgeregtheit muss auch sein."
Marena Sunten durfte noch Berlin-Fahrten unter den erfolgreichen Finalisten verteilen. Beate Müller-Gemmeke möchte sich mit ihnen dort mal zusätzlich an einem Abend treffen. Diskussionen sind da nicht ausgeschlossen. (GEA)
Jugend debattiert - So geht's weiter
Die vier Schüler, die Erfolg beim Regionalfinale in Mössingen hatten, dürfen nun an der Landesqualifikation am 11. April in Stuttgart teilnehmen. Wer sich auch dort durchsetzt, kommt ins Landesfinale. Dieses wird am 18. April im Stuttgarter Rathaus ausgetragen. Das Bundesfinale ist am 3. Juni in Berlin, die Bundesqualifikation ein Tag vorher. Für die Regionalsieger gibt's zuvor Anfang April noch ein Seminar auf der Burg Bad Liebenzell. (GEA)
Mit freundlicher Genehmigung des Reutlinger Generalanzeigers









