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10.06.2009 00:00 Alter: 4 yrs

Voneinander und miteinander lernen

Kategorie: Presse
Von: CARINA STEFAK

Mössinger Firstwaldgymnasium errichtet offene Ganztagsgrundschule Jahrgangsübergreifender Unterricht

Wir zitieren aus dem Reutlinger Generalanzeiger vom 26. Mai

MÖSSINGEN. Ein bisschen Geduld brauchen sie noch - ab September geht es los: Abc-Schützen können dann auch am Mössinger Firstwald ihre ersten schulischen Schritte machen. Zum Evangelischen Gymnasium kommt nämlich eine Grundschule dazu. Leiten wird sie die Tübinger Pädagogin Cornelia Frank. »Allzu streng und leistungsorientiert wird's am Firstwald nicht werden«, verspricht Schulleiterin Frank. Schließlich richtet sich die Grundschule nach dem sogenannten Jena-Plan: Statt Noten und Leistungsdruck sind gemeinschaftliches Zusammenarbeiten und -leben sowie die Mitverantwortung der Schüler und Eltern die Kerngedanken dieses reformpädagogischen Konzepts, wie Cornelia Frank erklärt.

Drei Jahrgänge gemeinsam

Die Firstwald-Grundschule fasst drei Jahrgänge in einer Gruppe zusammen. Dieses Jahr geht sie mit 30 Erstklässlern an den Start. Im nächsten Schuljahr werden sie in drei Gruppen geteilt. Zu jeder kommen acht neue Schulanfänger dazu, mit denen die künftigen Zweitklässler dann gemeinsam unterrichtet werden. Das wiederholt sich dann noch einmal, sodass nach drei Jahren Kinder dreierlei Alters gemeinsam in einer Gruppe lernen. Ziel sind jahrgangsgemischte Lerngruppen. Weil die Grundschule vier Klassen hat, kommen in drei Jahren wieder die ersten 30 Schüler zusammen und bilden eine Klasse vier. Außerdem gibt es statt der üblichen 45-Minuten-Stunden einen festen, rhythmischen Wochenplan. Das heißt: In der ersten Hälfte des Vormittags wird "individualisiert unterrichtet", so Frank. Jedes Kind lernt das, was zu seinem Lerntempo und seinen Lerninhalten passt. Stärken und Schwächen des Einzelnen gleichen sich in der Gruppe aus. In der zweiten Vormittagshälfte werden die Kinder gemeinsam unterrichtet. Dabei ist Zeit für Sachfächer wie Englisch- oder Sportunterricht. Die Besonderheit am Jena-Plan ist das erfahrungsbezogene Lernen. Cornelia Frank beschreibt das so: »Die Welt um uns herum wird zum Lerngegenstand.« In fünf- bis sechswöchigen Projekten lernen die Kinder Eigenständigkeit, Pünktlichkeit und Rücksichtnahme.

Eine Idee und viele Ansätze

Weil der »Bildungsplan mit den Interessen der Kinder verknüpft werden soll«, wie Frank sagt, können sie eigene Ideen und Interessen einbringen, die dann zum Thema gemacht werden. Dieses zieht sich durch alle Fächer. So wird beispielsweise beim Projekt Bauernhof mit Hühnern im Einmaleins gerechnet, im Deutschunterricht werden die Wortarten mit Begriffen wie »füttern «, »Traktor« oder »ländlich« gelernt, und auch im Englischunterricht tauchen »eggs« und »cows« und »farmer« auf. Einmal in der Woche hat die Firstwald- Grundschule dazu ihren »lebenspraktischen Tag«, an dem es oft nach draußen gehen soll. Projekte werden so praktisch aufgearbeitet. Ist das Thema der Wald, geht's dorthin. Wollen die Kinder wissen, wo die Butterbrezel in ihrer Vesperbox herkommt, dann besuchen sie eine Bäckerei. So funktioniert das auch mit anderen Geschäften und Betrieben. Was die Kinder interessiert, wird ganz genau unter die Lupe genommen.

Zwei Mal den ganzen Tag

Die Firstwald-Grundschule ist eine offene Ganztagsschule. Dienstag und Donnerstag bleiben die Kinder den ganzen Tag. An den übrigen Tagen können sie wahlweise nach Hause gehen oder die Nachmittagsbetreuung in Anspruch nehmen. Die Grundschule ist vorerst in einem ehemaligen Wohnheim des Internats untergebracht. Das neu zu bauende Gebäude wird ebenfalls auf dem Schulgelände stehen und soll in drei Jahren fertig sein. Die Kosten für die neue Grundschule sind mit 2,2 Millionen Euro angesetzt. Fürs Schuljahr 2009/10 gibt's keinen Platz mehr. »Wir hatten doppelt so viele Ameldungen wie Plätze«, sagt Schuldirektorin Frank. Über persönliche Gespräche mit den Kindern und ihren Eltern habe sie ausgewählt, wer ab September kommen darf.

Alle unter einem Dach

Vielfältigkeit ist Cornelia Frank in ihrer Schule wichtig: »So heterogen wie möglich«, erklärt die 47-Jährige die Zusammensetzung der Aufgenommenen. Kinder verschiedener Kulturen und Nationalitäten, von förderbedürftig bis hochbegabt sind dabei. Die Mehrzahl der angemeldeten Jungen und Mädchen ist evangelisch. An der Firstwald-Grundschule gibt es zwar nur evangelischen Religionsunterricht. Trotzdem, sagt Cornelia Frank, »ist die Schule allen Religionen gegenüber aufgeschlossen. « (GEA)

Mit freundlicher Genehmigung des Reutlinger Generalanzeigers


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