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Patchworkfamilien für Kinder am schwersten
Kategorie: PresseVon: Angela Hammer
Patchworkfamilien - Im Spannungsfeld zwischen hohen Erwartungen und den Lasten der Vergangenheit
MÖSSINGEN. Der vierjährige Tom, Sohn von Petra und Thomas, findet seine Familie einfach toll. Tina (14), Petras Tochter aus erster Ehe, findet Tom süß, Markus Ketchupbrot-Allüren gehen ihr dagegen mächtig auf den Keks. Markus ist Thomas siebenjähriger Sohn aus seiner ersten Ehe und regelmäßig zu Besuch. Thomas muss sich von Tina gelegentlich anhören: "Du bist nicht mein Papa, Du hast mir gar nichts zu sagen".
So oder ähnlich - oder viel komplizierter - kann sich Alltag in Patchworkfamilien gestalten. Meist sind Kinder die Leidtragenden, weil sie die komplexen Prozesse nicht verstehen. Ratsuchende, weiß die Psychologische Beratungsstelle, sind zunehmend Alleinerziehende oder kommen aus Patchworkfamilien. Auch die Schulen sehen zunehmend Beratungsbedarf. Das Firstwaldgymnasium Mössingen hat daher gern das Angebot der Psychologischen Beratungsstelle Tübingen angenommen. Sie stellte kürzlich bei den Themen-Elternabenden die Problematik der Patchworkfamilien vor.
Nachfolgefamilie heißen sie auch, oder Stieffamilie. Aber "Patchwork", findet Ulrich-Schlude-Nießen, "ist ein schönes Bild für die kreativen Möglichkeiten dieser Systeme". Der Leiter der Psychologischen Beratungsstelle zollt solchen Familien großen Respekt, denn ihnen wird "eine hohe psychologische und soziale Leistung abverlangt". Sie hätten in der Regel anstrengende Trennungsprozesse oder Verluste hinter sich, müssten oft mit drastischen finanziellen Einbußen kämpfen sowie Kränkungen und Enttäuschungen bewältigen. Doch der allzu verständliche Wunsch aller Betroffenen nach Harmonie und endlich eine "ganz normale Familie zu sein", entwickelt sich häufig zur Quelle neuer Schwierigkeiten: alle bringen nicht nur ihre eigenen Blockaden mit, sondern ihre alten Bindungen und Verpflichtungen.
Um bestehende oder sich andeutende Konflikte zu verdeutlichen, verliehen in zwei fiktiven szenischen Familiendarstellungen die Sozialpädagoginnen Renate Oetker-Funk und Henrike Kübler von der Psychologischen Beratungsstelle den einzelnen Familienmitgliedern eine Stimme. Sehnsüchte, Verletzungen und Ängste legten sie frei, erklärten Reaktionen und zeigten Lösungsmöglichkeiten.
In der Diskussion fragten Eltern nach Kompromissen und boten selbst Lösungsansätze. Die Kinder zwischen den neuen Paaren böten eine unendliche Quelle für Konfliktsituationen - und seien doch diejenigen, die zuerst zusammenbrechen, oft mit Schuldgefühlen. Denn bevor sie die Schwierigkeiten verstehen können, so Renate Oetker-Funk, geben sie sich lieber selbst die Schuld am Scheitern der alten Familie.
Mit freundlicher Genehmigung des Reutlinger Generalanzeigers








