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17.04.2012 10:06 Alter: 1 year

Firstwaldgymnasium und CVJM im Jugendaustausch in Palästina

Kategorie: Berichte
Von: Werner Kremers

Vierzehn Jugendliche und drei Begleiter haben ihre Osterferien in Beyt Sahour nahe Bethlehem verbracht. Sie erwiderten damit den Besuch ihrer Partnergruppe, die sie letztes Jahr in Mössingen beherbergt hatten. Hier ihr Bericht:

Nach einer dreitägigen touristischen Reise durch Israel ging es durch die Kontrollstelle in Bethlehem in das von Israel besetzte Gebiet.  Wir wurden von unseren Partnern der evangelisch-lutherischen Schule in Beyt Sahour sehr herzlich aufgenommen.   Da die Schulen in Palästina erst später Ferien haben, konnten wir den palästinensischen Unterricht besuchen und feststellen:  Es wird dort mit sehr viel einfacheren Mitteln und wenig Medien eifrig gelernt. 

Wir bekamen durch unsere Unterbringung in Familien tiefe Einblicke in das Alltagsleben der Palästinenser.  Das Zusammenleben der Menschen ist dort sehr wichtig.  Die Häuser und Wohnungen sind offen, Verwandte, Freunde oder  Nachbarn  schauen mal eben vorbei und werden freundlich bewirtet.   Dass dabei ständig der Fernseher läuft, ist wohl eher eine Beigabe aus einer anderen Kultur.  Die Verständigung mit der Bevölkerung gelang meist auf Englisch, das die meisten Leute im Raum Bethlehem  gut beherrschen.

Tagtäglich erlebten wir die Einschränkungen, denen das Leben in Palästina unterliegt.  Am Kontrollpunkt in Richtung Jerusalem warteten wir  eineinhalb Stunden ohne erkennbaren Grund.  Die mit uns wartenden Palästinenser wurden zum Teil sehr wütend und bedrängten einander massiv.  Wir begriffen:  Es ging um ihre Arbeitsplätze in Jerusalem. 

In Beyt Sahour hat man ständig die "Siedlungen"  vor Augen, die sich wie riesige Kraken über die Hügel ausbreiten.  Es sind eigentlich Städte, die bis knapp an die Grenzen der palästinensischen Orte reichen und durch hohe Zäune und Mauern geschützt sind.  Unsere Gastgeber hatten  für die Ostertage Passierscheine, die ihnen den Durchgang durch die Kontrollen und den Zugang zu Jerusalem ermöglichten. Aus unerfindlichen Gründen hatten einige unserer Partner keine Scheine erhalten, so dass wir nie als ganze Gruppe Jerusalem oder das Tote  Meer besuchen konnten.  Während des Pessachfestes war plötzlich die Gegend um Ein Gedi und Massada für unsere Gastgeber trotz Passierschein gesperrt, so dass wir sie zurücklassen mussten. 

Besonders augenfällig wurde die Situation  beim "Zelt der Nationen". Dies ist eine Farm, die von einem Palästinenser betrieben wird, dessen Familie  seit mehreren Generationen dieses Land besitzt.  Von israelischen Siedlungen umgeben kämpft Daud seit 20 Jahren um sein Land.  Die ganze Umgebung ist mittlerweile durch eine hohe  Trennmauer  von Bethlehem abgeschnitten,  der ganze Landstrich soll dem israelischen Staat zufallen.  Auf seiner Farm erlebten wir  den tagtäglichen mühevollen Kampf friedlicher Menschen, deren einziges Problem darin besteht,  Palästinenser zu sein.

Wir sind froh, diese Reise gewagt zu haben.  Sie hat uns Einblicke gewährt in ein Leben, das wir uns aus der Ferne nicht vorstellen konnten.  Und sie hat uns den Wert von Freiheit und Rechtsstaatlichkeit  ganz neu erkennen lassen: Es ist nicht selbstverständlich,  frei reisen zu können, frei seinen Beruf wählen zu können und seine Rechte einfordern zu können!


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