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Firstwald beginnt 2011 in Kusterdingen
Kategorie: PresseVon: Ulrike Pfeil
Die überwältigende Zustimmung des Gemeinderats macht das Projekt perfekt: Mit dem kommenden Schuljahr wird KusterdingenGymnasiums-Standort. Es bekommt eine Filiale des privaten evangelischen Firstwald-Gymnasiums Mössingen
.Kusterdingen. Bürgermeister Jürgen Soltau sprach feierlich von einem "historischen Moment in der Gemeindegeschichte". Mit nur drei Enthaltungen (aus den Reihen der Freien Wähler) billigte der Gemeinderat am Mittwoch den Vertrag mit der evangelischen Schulstiftung. Danach soll vom kommenden September an in Kusterdingen mit dem sukzessiven Aufbau einer am Ende zweizügigen Außenstelle des Firstwald-Gymnasiums begonnen werden. Die für eine ländliche Gemeinde von rund 8000 Einwohnern ungewöhnliche Standortentscheidung wird damit begründet, dass jährlich rund 450 Schüler/innen von den fünf Härten-Teilorten in Gymnasien nach Tübingen, Reutlingen und auf den Höhnisch auspendeln.
Unterstützung von der Kirchenspitze
"Wir sind auf der sicheren Seite", berichtete Rektor Helmut Dreher vom Firstwald-Gymnasium dem Gremium, nachdem kürzlich auch die Spitzen der württembergischen Evangelischen Landeskirche einstimmig die Unterstützung des Projekts beschlossen hatten. Und er ergänzte, auch für seine ebenfalls anwesende Stellvertreterin Melanie Kienzle: "Wir fühlen uns hier schon ganz zu Hause."
Das Gymnasium wird im September 2011 zunächst mit einer fünften Klasse beginnen und die ersten drei Jahre in freien Räumen der August-Lämmle-Schule in Kusterdingen angesiedelt. Verschiedene Sonder-Unterrichtsräume für Naturwissenschaften, Kunst, Musik können sich die Gymnasialklassen mit der Werkrealschule teilen. Für den Sportunterricht hat die nahe Härtensporthalle Kapazitäten frei. Die Kosten für diese Schulräume übernimmt die Gemeinde für die ersten drei Jahre; später zahlt die Schule Miete dafür.
Bereits im Jahr 2012 wird dann mit einem Neubau begonnen. Das Gelände in direkter Nachbarschaft zur August-Lämmle-Schule (es wurde für schulische Zwecke vorgehalten) stellt die Gemeinde der Schulstiftung in Erbpacht für 60 Jahre zur Verfügung. Mit dem Bezug des Neubaus im Schuljahr 2014/15 beginnt der Aufbau des zweiten Klassenzugs. Ein zweiter Bauabschnitt soll entsprechend der wachsenden Klassenzahl ab 2017 folgen.
Das Gymnasium wird als Ganztagsschule mit zwei Profilen geführt, über die sich Gemeinde und Schulstiftung noch verständigen. Eine "AG Kusterdingen" am Firstwaldgymnasium arbeitet bereits daran. An drei Tagen der Woche ist verpflichtender Nachmittagsunterricht, an einem vierten soll bei Bedarf eine Betreuung organisiert werden. Beim Neubau ist auch eine Mensa vorgesehen, die groß genug sein soll, um auch Schüler der Grund- und der Werkrealschule aufzunehmen.
Die Kusterdinger Gymnasiums-Filiale wird grundsätzlich auch Schülern aus der Umgebung offen stehen. Kinder aus der Härtengemeinde haben jedoch bei der Aufnahme "absolute Priorität", betonte Soltau.
Die Gemeinde könne sich das Gymnasium "guten Gewissens" leisten, versicherte der Bürgermeister. In den ersten drei Jahren bekommen Privatschulen keine Landesförderung. Fest eingeplant ist dagegen ein Zuschuss der Evangelischen Landeskirche von 40 000. Auf die Gemeinde kommt in den Anfangsjahren ein Zuschussbedarf von rund 450 000 Euro zu, den sie durch Spenden und Sponsorengelder zu verringern hofft.
Im Haushaltsjahr 2011, das noch als "schwierig" gilt, belastet das Gymnasium die Gemeindekasse jedoch noch nicht. Selbst wenn die Gemeinde dem Schulträger einen kreditfinanzierten Baukostenzuschuss von voraussichtlich knapp 4,5 Millionen Euro gewährt, wird die Haushaltsbelastung durch das Gymnasium in den Folgejahren mit jährlich rund 105 000 Euro veranschlagt. Nach den Berechnungen werden die entstehenden Zuschuss- und Baukosten durch erwartete Mehreinnahmen aus der Grundsteuer aber mehr als ausgeglichen. Nicht zuletzt: Vorhandene, aber untergenutzte Räume werden ausgelastet. "Wir hätten sonst ein Riesen-Problem an der Backe", sagte Soltau.
Der Bürgermeister hob im Gemeinderat besonders den immateriellen Wert der Gymnasiums-Ansiedlung hervor. "Eine gemeinsame Schule stiftet auch Gemeinde-Identität". Die bestehenden Kusterdinger Schulen profitierten von Kooperation und Begegnung in der Mensa, in Arbeitsgemeinschaften, der Nachmittagsbetreuung. Die Gymnasiasten am Ort verlören nicht so viel Zeit durch das Fahren und könnten stattdessen Hobbies pflegen und sich in Vereinen engagieren. Überdies bekomme Kusterdingen mit dem kürzlich prämierten Firstwald-Gymnasium "nicht irgendeine Schule, sondern eine der besten Deutschlands".
Die meisten Gemeinderäte teilten diese Ansicht. Alfred Lumpp (FWV), selbst ehemaliger Gymnasiumsdirektor (des Tübinger Wildermuthgymnasiums), sprach von einer "Infrastrukturmaßnahme, die der Gemeinde auf Jahrzehnte Vorteile bringt". Ursula Laxander-Digel von der Härtenliste war von der Atmosphäre an der Firstwaldschule in Mössingen begeistert und erwartet "Impulse für das Gemeinwesen". Selbst ein anfänglicher Skeptiker wie Siegfried Maier (FWV) war nun auch von der Finanzierbarkeit überzeugt: "Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen", sagte der Banker.
Am Schulgeld soll es nicht scheitern
Vorbehalte artikulierte nur noch Günter Walker (FWV): Er fürchtete, dass Haupt- und Realschüler gegenüber den Gymnasiasten ins Hintertreffen geraten könnten. Auch sei den Kusterdinger Bürgern nach seinem Eindruck noch zu wenig bewusst, dass es sich um eine private Schule handle, deren Besuch die Eltern rund 2000 Euro im Jahr koste.
"Am Schulgeld darf es nicht scheitern", sagte dazu Rektor Dreher und verwies auf einen in Mössingen existierenden Spendenfonds für bedürftige Kinder an der Firstwaldschule. "So etwas sollte man auch in Kusterdingen aufbauen."
Info: Eine erste Informationsveranstaltung für Eltern, die ihre Kinder in Kusterdingen auf das Gymnasium schicken wollen, ist am Dienstag, 14. Dezember, um 20 Uhr im Bürger- und Kulturhaus beim Klosterhof
Mit freundlicher Genehmigung des Schwäbischen Tagblatts








